Mittelschule Scheinfeld schullogo ms 08 im Schulverbund mit Iphofen und Marktbreit


Beitrag: Störungen des Zusammenlebens und -arbeitens

Diese Punkte sind bisher nicht in der Reihenfolge ihres Gewichtes angeordnet.


Wenn Lehrerinnen und Lehrer bei einem Schüler zur Überzeugung gelangt sind, dass ihre Ausbildung für das Sozialverhalten eines Schülers nicht mehr ausreicht, ist meist für die gesamte Klassengemeinschaft Schicht im Schacht.

Gestörtes Sozialverhalten einzelner Kinder oder Jugendlicher liegt auf der Fächeragenda einer erziehungswissenschaftlichen Fakultät, wo Lehrer ausgebildet werden, nicht gerade an vorderster Stelle - wenn es dort überhaupt thematisiert wird. Damit stehen Pädagogen mit den erlaubten Mitteln hilflos da, wenn Dustin der Lehrerin ans Bein tritt, Torben das Aufräumen seiner Schulbank lautstark verweigert, Lea-Marie trotz viermaliger Ermahnung immer noch ihren Zirkel durch die Klasse wirft, Hans-Dieter einen Vorfall in der Schule immer noch zu seinen Gunsten umgelogen seiner Mama berichtet oder Silas es sich auch in der neunten Klasse nicht nehmen lässt, seine Mama als Justizwaffe einzusetzen.

Natürlich bildet sich eine Schule nicht ein, dass ein Schultag wie am Schnürchen abläuft.

Dazu gibt es zu viele bekannte Strömungen, die Schulleben, Lehren und Lernen stören können.


1. Pubertät

Die Pubertät ist ein natürlicher und notwendiger Reifevorgang, ohne den ein Kind nicht erwachsen werden kann. Die Frage ist, inwieweit Eltern, Lehrer und das System "Schule" auf die Bedürfnisse dieses Alters eingehen können.

Eines ist klar: Der Mensch strukturiert sich während dieser Reifephase aus den bekannten Wertelementen neu. Dabei schafft er eine neue Identität. Er ist danach nicht mehr wie Mama oder Papa und wendet sich scheinbar von bisherigen Wert- und Verhaltensmustern ab, die ihm Elternhaus, Freundeskreis und Schule vorgegeben haben.

Er ist auf der Suche nach neuen Ideologien, Verhaltens- und Denkformen und integriert alles - neue und gewohnte Haltungen - in eine neue Ich- Identität. Ziel der Pubertät ist ein "neuer Mensch", der bekannte und neue, also außerhalb der Familientradition stehende, Werthaltungen in sich vereint.

Damit ist der pubertierte Jugendliche nicht mehr ganz wie seine früheren Einflusspersonen, sondern er ist ein ganz spezieller "Typ", den es auf der Welt nur einmal gibt.

Diese Phase ist gleichzeitig aber auch eine Krise, weil die Ideologieintergration in der Regel nicht ohne kräftige Auseinandersetzungen mit den bisherigen Autoritäten erfolgt, weil viele Wege und Irrwege ausprobiert werden und weil damit die Entwicklungsschübe ihm selbst und seiner Umgebung gewaltig auf die Nerven gehen können.

Unglaublich ist aber gerade, dass der Jugendliche in dieser schwierigen Phase die Stabilität und die Verlässlichkeit seiner Bezugspersonen braucht. Eine stabile Familie und über längere Zeit bekannte Lehrkräfte, die an ihn "glauben", kommen ihm zum Gelingen dieser Krise sehr entgegen.

Unser Klassenlehrerprinzip kann dabei eine Hilfe sein, weil an unserer Schule die Lehrkraft in 5 und 6 und in 7 bis 9 oder 10 in der Regel ihrer Klasse "treu" bleibt. 

Lesetipp 1: Mein Kind interessiert sich plötzlich nicht mehr für Schule und Eltern

Lesetipp 2: Hilfe, ich erkenne mein Kind nicht wieder! 


2. Helikoptereltern

Eltern geben ihren Kindern die Grundlagen und die Basics mit, auf die eine Schule setzen können muss.

Manche Eltern wollen Schule und Lehrkräften nicht recht zutrauen, diese Basics weiter zu entwickeln. Sie misstrauen dem "Gesamtsystem Schule" , in dem ihr Kind vielleicht als Nummer untergeht. Wie auch immer - es kann vorkommen, dass dies dazu führt, ihr Kind vor den "möglichen Verwerfungen einer anonymen Lernfabrik" - wie es ein Vater `mal in dem Zusammenhang ausgedrückt hat - zu bewahren, indem sie ihr Kind weiter behüten wollen. Das kann dann sehr verschiedene und manchmal auch störende Formen annehmen.

Der Begriff "Helikoptereltern" meint Eltern, die ihr Kind überbehüten und es gewissermaßen wie ein Überwachungshubschrauber ständig umkreisen. Und das nicht nur zu Hause.

Es gilt sicher, den Grat einzuhalten zwischen Zutrauen und Loslassen, was auch mit dem Vetrauen gegenüber der Schule zu tun hat.

Link 1 zum Weiterlesen 

Ein besonderer Verhaltensexzess ist das agressive Benehmen mancher Sporteltern etwa bei Fußballturnieren. Ich habe das `mal bei einem Wettkampf meines Sohnes bei einem Judowettkampf erlebt (siehe auch diesen Link: Eltern als Störfaktor am Spielfeldrand). Was da wohl nichts mehr mit sportbegeistertem Anfeuern zu tun hat geht wohl schon in Richtung "Projektion" und einer Art Missbrauch des eigenen Kindes zur Befriedigung eigener Bedürfnisse. Keine Frage, dass hier Psyche zerstört wird, die zu einer gesunden Entwicklung dringend gebraucht würde.


3. Beziehungsstörungen zwischen Eltern und Kind

3.1 Partnerschaftlichkeit

3.2 Projektion

3.3 Symbiose


4. Klinische Störungen

   Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit oder ohne Hyperaktivität


5. Gesellschaftliche Veränderungen

5.1 Die Ego-Gesellschaft

Veränderte innere Strömungen einer Gesellschaft haben mit ihrer Vorbildrolle entscheidenden Einfluss auf die Sozialfähigkeit ihrer Kinder. Die Rücksicht auf andere Menschen und der Zug zu einem gleichberechtigten Zusammenleben scheinen vielen Zeitgenossen zunehmend weniger wichtig zu sein. Stattdessen bahnen sich die Ellenbogen-Menschen ihren Weg mit einer Art ich-zentrierter Gewalt und der Altruismus scheint zu verblassen und dem Egoismus mehr Raum zu geben. Man spricht von der "Ego-Gesellschaft". Klar, dass Kinder als das Abbild dieser Gesellschaft diese Rollenmuster auch auffällig in die Schule tragen.

"Leider" aber ist Schule - wie übrigens auch jeder Betrieb - auf Teamwork aufgebaut. Lernen funktioniert in unserem Schulsystem Gott sei dank nur im friedlichen und fruchtbaren Zusammenwirken mit anderen Menschen der Schulfamilie - vom Mitschüler über die Lehrkraft bis zum Reinigungspersonal.

Das setzt voraus, dass Kinder wie auch Erwachsene sich einfügen müssen in ein großes Regelwerk des menschlichen Umgangs.

Wie etwa im Straßenverkehr muss ich Rücksicht nehmen auf andere Teilnehmer und mich an allgemeingültige Regeln halten. Vor der roten Ampel muss ich halten und Geschwindigkeitsbeschränkungen aus Rücksicht auf andere Menschen - übrigens auch auf mich selbst - einhalten. Regeln schützen mich vor egozentrischer Dummheit und es nach wie vor die Aufgabe der Gesellschaft - vornehmlich aber auch einer Schule - egozentrisches Verhalten zu regulieren. Das provoziert auch oft den Widerpart des Elternhauses. Wenn der 14-jährige Tjaden einen Verweis kassiert, weil er trotz Ballverbots vor der Schule die Scheibe eingeschossen hat, gibt es für den Papa mindestens zwei Möglichkeiten des Feedbacks an die Schule: Bei der momentan gängigsten Reaktion fragt ein Elternteil zurück, ob da nicht auch noch andere Schüler beteiligt waren, ob ihr Kind nicht durch andere Schüler zu der Tat provoziert wurde, ob die Schule nicht nur einen dummen Schuldigen suchen würde, ob ihr Kind zu dem Zeitpunkt auch ordentlich von der Schule beaufsichtigt wurde oder - wie es auch schon tatsächlich passiert ist - ob das Kind wirklich die Verantwortung hat, weil eine Lehrkraft ja nicht eingeschritten ist und den Schuss zusätzlich zu dem allgemeinen bekannten Verbot hic et nunc nicht nochmal ausdrücklich verboten hat.

Die Alternative wäre einfach zu sagen: "Danke, Herr Meyer, dass Sie sich um das Fehlverhalten meines Kindes mit einem Denkzettel bemüht haben."


5.1.1 Der Ehrliche ist der Dumme - Sittenverfall als Grundlage asozialer Strömungen

Ulrich Wickert 1

Ulrich Wickert 2

Sittenverfall

Fließende Moralwerte

5.1.2 Pubertärer Egozentrismus 

Körperkult als Ausdruck erweiterter Eitelkeit


5.2 Materialismus und Konsumismus

Der Machbarkeitswahn und der unstillbare Konsumismus verwandeln unseren "einstmals blauen und grünen Planeten" schon heute "in eine Mischung aus Einkaufszentrum und städtischer Müllkippe..."

Das Zitat ist genommen aus: "Eine kurze Geschichte der Menschheit". Yuval Noah Harari. DVA. München, 2013.



Bericht: Rainer Bayer



Lage: Mittelschule Scheinfeld - 91443 Scheinfeld, Lerchenbühlstraße 19 - 800 m im Norden des Stadtzentrums - GPS: 49.67283548650958 ,  10.462782382965088